ALLES
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Verzweiflung ist;
wenn kein noch so kleines Licht
in der Finsternis leuchtet.
VERZWEIFLUNG war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht wie sich Verleumdung anfühlt,
bis ich hörte was über mich gesagt wurde
und es sich anfühlte als sei das jemand anders.
VERLEUMDUNG war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Zweifel säen bedeutet.
War ich das vielleicht wirklich?
ZWEIFELN war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Verrat und Verachtung ist,
bis alles woran ich glaubte, das wertvollste Geheimnis,
das ich mit dem geliebten Menschen teilte,
plötzlich Lächerlichkeit wurde.
VERRAT und VERACHTUNG waren nur Wörter.
Als ich noch glücklich war,
habe ich an meine Liebesfähigkeit geglaubt.
Meine Liebe war gut und richtig,
bis mir gesagt wurde, es sei keine Liebe.
Als ich noch glücklich war,
war ein „Ehrlich“ ein „Ehrlich“,
bis ich die Wörter hörte, die nie gesagt wurden.
EHRLICHKEIT war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht wie sich Scham anfühlt,
bis ich in deinen Augen statt Zärtlichkeit Ekel sah.
SCHAM war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Vergebung ist,
bis ich gefordert wurde meinen Peinigern zu verzeihen.
VERGEBUNG war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Erbarmen ist,
bis ich um Erbarmen gefleht
und auf Erbarmungslosigkeit gestoßen bin.
Niemals eine zweite Chance.
ERBARMEN war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht wie sich Vertreibung anfühlt,
bis ich entwurzelt wurde
und ohne Heimat durchs Leben trieb.
VERTREIBUNG war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Einsamkeit ist,
bis ich mich selbt hineinstieß
Verlust-allein-einsam
EINSAMKEIT war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Entsetzen ist,
bis mein eigenes Tun mich sprachlos starr entsetzte.
ENTSETZEN war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht wie sich Schuld anfühlt,
bis ich sah welches Leid ich erschaffen hatte.
SCHULD war nur ein Wort.
Als ich noch glücklich war,
war Licht in mir und um mich
und ich nannte es GOTT.
Ich fühlte IHN im Licht in und um mich.
Und trotz aller Verfehlungen war ich genug und gut.
Ich war Teil Gottes,
bis mir gesagt wurde, ich lästere GOTT
und würde irre gehen.
GOTT existiere nur außerhalb von mir.
Als ich diesen Worten erlaubte sich zu säen,
erlosch langsam das Licht in mir und es wurde finster.
Als ich noch glücklich war,
hatte ich Angst vor dem Sterben,
bis Sterben mir das einzige Tor zum Licht wurde.
Und im Fallen, im Loslassen, als ich den Kampf aufgab war es da!
IST es da -in mir:
Erbarmen,
Gnade,
Verzeihung,
Ehrlichkeit,
Heimat,
Achtung,
Glück,
Angenommen sein,
Geborgenheit,
Zärtlichkeit,
Schönheit,
Hoffnung,
Glaube,
Wissen,
Frieden,
Harmonie,
Gesang und
Licht und Liebe.
Und alles war und ist richtig,
genug und gut.
Ein kleines Licht begann in der Finsternis zu leuchten
in mir und um mich
und aus mir heraus
und ich begriff:
Liebe ist Alles und
Alles ist Liebe
Liebe ist Licht UND Finsternis
Denn die Liebe lässt sich nicht erbittern,
Sie rechnet das Böse nicht zu.
Sie erfreut sich an der Wahrheit,
Sie ist immer gewillt zu ertragen, zu vertrauen,
Zu hoffen und zu erdulden,
Gleich was kommen mag.
Die Liebe hört niemals auf.
Als ich noch glücklich war,
wusste ich nicht was Glück bedeutet.
GLÜCK war nur ein Wort.
Und das WORT ist Fleisch geworden und hat unter uns gelebt.
Und lebt in mir, um mich und durch mich.
für meine Mutter
Sabine Maria Bigge